Archiv der Kategorie: Langstreckenzug

Auf’s neue mit der Transsib nach Okinawa / Once more by Transsiberian to Japan

Tiger auf dem Weg. Woran merkt man, dass es ostwärts geht? Der Buchweizenanteil im Essen steigt und zum Frühstück gibt es Kascha. Gut zu wissen auch, dass ich weiterhin gut auf dem Schiffsboden schlafen kann. Dem Morgen graut und Turku ist in Sicht.

From Tiger to Tiger. Greeting will be forwarded. How do you know that you are approaching the east? Buckweat content in your food increases and you get Kascha for breakfast. Good to know that I still sleep well on the floor. Approaching Turku, the sun breaks through the clouds.

Von Sognal nach Oslo mit dem Bus

Von Sognal nach Oslo mit dem Bus

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Einen Gruß aus Estland schickt mir das finnische Frühstücksbufet, denn es gibt Kama 🙂 Das ist geröstetes Mehl, Erbsen und Bohnenpulver, das man in Yoghurt oder Sahne rühren kann. Die finnische Variante namens Talkkuna ist etwas feiner und schmeckt weniger stark geröstet, genaueres konnte auch der Kellner nicht rausfinden. Dennoch gutes Karma ist gewiss, da jedes noch so knurrige Rrrrr nach so einem guten Frühstück verschwindet.

Estonia sends its regards from the Finish breakfast buffet since I get Kama :)This is a brose consisting of different kinds of grinned and roasted flour or beans that can be mixed into yoghurt or cream. The variant from Finland named Talkkuna is as delicious as the Estonian, yet finer and less roasted. The exact mixture was not known to the waiter, though. Anyway, good Karma is granted for the day, because it shoos away all remaining morning Rrrrrrr.

Kama or Talkkuna?

Kama or Talkkuna?
Marit says both kama and talkkuna come from Russian – komý (dialect word for plural of pastry/bread/pancakes) and toloknó (dry-roasted oatmeal or barleymeal). Head isu!

Helsinki, die Schöne bei herrlichem Herbstwetter. Spaziergang mit Rosemarie. Ein Jahr später nach unserem zufälligen Treffen im Flüchtlingschaos.

Helsinki, the beauty. Walking with Rosemarie one year after having met coincidentally in the train with many, many stranded refugees.

Helsinki, die Schöne. Helsinki the beauty!

Helsinki, die Schöne. Helsinki the beauty!

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Theaterabend in Moskau. Jean Genet „Die Zofen“ inszeniert als Tanzdrama durch das Roman-Viktyuk-Theater. Seinerseits übrigens in Polen geborener Ukrainer, hoch verehrt sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Alle Rollen von Männern gespielt. Faszinierende Körperbeherrschung. Am Ende gab es Rosen und Schokolade vom Publikum. Das Stück läuft seit 1988. Die Neuigkeit des Tages: nein, ich bin nicht in Disneyland. Sondern in Moskau am Verlagsgebäude der Zeitung „Isvestia“. Moskau kann nicht nur auf Zuckerbäcker, sondern auch herrlich häßlich.

An evening in the theater in Moscow. Jean Genet „The Maids“ as a dance drama performed by the Roman-Viktyuk-Theater. Viktyuk is an Ukrainian born in Poland, who is highly esteemed in Ukraine and Russia. All roles played by men. Their body control was amazing and in the end they got roses and chocolate from the audience. The piece is running since 1988. News of the day? No, I am not in Disneyland but in Moscow close to the publishing house of the newspaper „Isvestia“. Still, besides being capable of delivering the gingerbread style perfectly, Moscow masters the art of ugliness, too.

Moskau, die ...?! Moscow, the ...?!

Moskau, die …?! Moscow, the …?!

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Moskau — Wladiwostok, wieder unterwegs und Glück mit der fabelhaften Mitfahrerin aus Augsburg. Was für ein Spass!

Again on the train from Moscow to Wladiwostok and lucky with my companion from Augsburg. We had fun!

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Transsib Oktober 2016

Bekanntschaft aus Augsburg :)

Bekanntschaft aus Augsburg 🙂

Besuch bei Marta in Helsinki

Helsinki

Nach unserer letzten Lesung in Stuttgart am 27.11. ging es endlich los Richtung Japan. Zunächst mit dem Zug nach Stockholm, dann die Fähre nach Turku und wieder in den Zug, um am 30.11. gegen Mittag in Helsinki anzukommen. Wir hatten nun 30 Stunden Zeit bis zur nächsten Zugetappe nach Moskau.

Das Wetter in Helsinki war winterkalt und sonnig, ganz weihnachtlich. Da passte gut ein Konzertbesuch in der Felsenkirche ins Konzept. Die Felsenkirche von Helsinki (Temppeliaukion kirkko) ist ein wunderbarer Ort für ein Adventskonzert. Mitten in den Felsen ist sie hineingesprengt worden und in der Kuppel gibt es – ganz zwergisch – eine funkelnde Kupfersonne.

Am nächsten Tag flogen wir aus auf die Insel Suomen Linna– eine Festung mitten in der Bucht von Helsinki und ein neuer Strich auf der Liste der Unesco-Weltkulturschätze. Das Wetter blieb sich treu und so spazierten wir frohgemut über die erstaunliche Anlage. Ein Theaterspiel über die Drei-Königslegende gab es obendrein.

Das verblüffende an unserem Kurzbesuch in Helsinki war vor allem, dass Finnisch nun wirklich kein Buch mit Sieben Siegeln mehr ist. Unsere lange Fahrradtour in Estland hat da fabelhafte Sprachgrundlagen gelegt. Wie wär es mit ein paar Beispielen?

1-2-3-4-5 (finnisch): yksi, kaksi, kolme, neljä, viisi
(estnisch): üks, kaks, kolm, neli, viis

Kirche (finnisch – estnisch): Kirkko – Kirik
Bär (finnisch – estnisch): Karhu – Karu
Kaffee (finnisch – estnisch): Kahv – Kohv
Rotes Meer (finnisch – estn.): Punainenmeri – Punane meri
Handarbeit (finnisch – estn.): Käsityö – Käsitöö
Gesang (finnisch – estn.): Laulu – Laulmine
Buch (finnisch – estni.): Kirja – Raamat
Schriftsteller (finnisch – estnisch): Kirjailija – Kirjanik
Bibel (finnisch – estnisch): Raamattu – Piibel

Noch ein wichtiger Hinweis: Wer Turku noch besichtigen will, sollte es möglichst bald tun. Denn vermutlich wird die Stadt bald im Meer versinken. Jedes Jahr bemühen sich nämlich Studenten aus Tampere, dass dem so kommt. Sie fahren nach Turku auf den Marktplatz und hüpfen dort rum, in der Hoffnung, dass die Stadt unter den Meeresspiegel sinkt. Tampere wäre dann nicht nur die größere sondern auch die ältere Uni.

Bequem unterwegs mit der Deutschen Bahn

Für satte 100 Euro pro Nase fahren wir von München nach Hannover im völlig überfüllten Nachtzug. Wir haben noch Glück, denn wir dürfen mitfahren und werden nicht von der Polizei abgeführt, wie man uns androht. Denn obwohl es ein Zug mit Waggon ohne Reservierungspflicht ist, sind alle Plätze für Reservierungen vorgesehen und auf dem Gang stehen, ist ein Priveleg, dass Kriminellen wie uns nicht zusteht. Achja, und Schuld an der Verspätung sind wir Nicht-Reservierer (ca. 10 Personen) natürlich auch. Gute Nacht Deutsche Bahn! Viele Grüße von Deinen treuesten Kunden, die sofort eine Bahncard 100 weltweit kaufen würden, wenn das denn ginge.

Bequem unterwegs mit der DB

Von Antwerpen nach Venedig

Schon früh um 6 Uhr können wir das Schiff verlassen und los gehts per Taxi zum Bahnhof von Antwerpen. Es ist einer der schönsten Bahnhöfe, eigentlich schon eine Kathedrale. Wir haben Glück, es gibt eine sehr gute Verbindung nach Venedig mit Umsteigen in Paris und Turin. Die TGV-Fahrt Paris-Turin gehört klar unter die Top-10 der idyllischsten europäischen Zugstrecken. Besonders das Stück an den südlichen Alpen von Chambery nach Turin ist sagenhaft: tiefe Täler, eisbedeckte Berge, reißende Wasserfälle und satte, maigrüne Wiesen.

Bahnhof Antwerpen

Bahnhof Antwerpen

Zwischenbilanz

Vorläufige Bilanz per Bild und Stichpunkten:

  • 20 von 50 Bundesstaaten durchquert
  • mehr als 7000 Meilen per Zug und Bus
  • nur eine Blase erlaufen
  • über 100 Stunden Zugfahrt, etwa 20 Stunden Greyhound-Bus
  • ca. 30 h akkumulierte Verspätung
  • Liste der Orte: Princton Campus und Moor, Downtown Mount Holly mit ältester erhaltener Feuerwehr der USA, Innenstadt Philadelphia und Chicago, Bahnhof und Downtown Barstow, Downtown Bakersfield und Fresno, San Francisco, Palo Alto, Campus Stanford University, Downtown Washington, Hafenstadt Wilmington
  • Liste der Museen: Barstow Harvey House, Museum für Jüdische Kunst der Gegenwart San Franciso, Museum für Asiatische Kunst San Francisco, Stadtführungen SF (Architektur, Popos, Straßenkunst), Kunstmuseum und Park der Stanford Universität, Smithonian Museum für Asiatische Kunst Washington, …
  • Lieblingsfrühstück: Pfannkuchen, Obstsalat und Haferflocken in Barstow
  • Lieblingsmittag: Obento in Japanischen Viertel in San Francisco
  • Lieblingsabendbrot: Koreanischer Tofutopf in San Francisco
  • Anzahl geklauter Bücher: 5, Anzahl neugekaufter Bücher: 7
USA Wegstrecke

USA Wegstrecke

Wieder in New York und gleich weiter

Auch der Zug nach New York hatte sich auf seiner eintätigen Fahrt entlang der großen Seen – Amerikas dritter Küste – eine Verspätung von eineinhalb Stunden eingehandelt. Dafür wurden wir auf dem letzten Stück mit der sehenswerten Flusslandschaft des oberen Hudson-Flusses entschädigt. Teilweise führt der Bahndamm direkt durch das Ufergebiet des Flusses, kaum zwei Metern vom Wasser entfernt. So kann man Fischreiher aus aller nächster Nähe beobachten. Schliesslich erreichen wir New York Pennsylvannia Station und ergattern nach üblichen Zuständigkeitsproblemen eine Aufwertung unserer Fahrkarte für den Acela-Express, einem Schnellzug von Boston nach Washington. Als verwöhnter ICE-, TGV- oder Shinkansenkunde kam einem die Fahrt allerdings ziemlich rumpelig vor. Auch die angepriesene Internetverbindung reicht zumeist nur für das Versenden oder Empfangen von Emails. Doch man kann life mitverfolgen, wie sich der Zug den Weg durch die Karte bahnt.

Geschenktes Bummeln in Grand Junction, Colerado

Amerika ist ein Land der Verspätungen. Bei kaum einer unserer Reisen mit Bus und Bahn waren wir pünktlich. Das hat auch mit der Größe des Landes zu tun. Eine durchziehende Gewitterfront kann den Überlandbus gehörig langsamer machen und bei Distanzen von hundert Kilometern schnell eine Stunde mehr Fahrzeit bedeuten. Genauso unberechenbar ist der Feierabendverkehr in den Millionenstädten. Auch die Langstreckenzüge haben mit schlechtem Wetter und Herausforderungen wie steilen Pässen auf 2000 m
Höhe zu kämpfen. Doch die Verspätungen sind organisatorischer Natur, denn es gibt keine einheitliche Bahn. AMTRAK als Eisenbahngesellschaft betreibt zwar überall in den USA Züge, ist aber nicht Eigentümer des
Schienennetzes. Das gehört regionalen Gesellschaften wie BNSF (Burlington Northern Santa Fe) oder Union Pacific – Namen, die man an den Güterwaggons lesen kann. Diese Gesellschaften warten das Schienennetz und stimmen sich kaum mit den Personenzügen auf der Strecke ab. Im Ergebnis stecken wir öfter auf der Strecke fest und dem Schaffner bleibt nur, sich zu entschuldigen. Manchmal dauert es 3 Stunden und man kann in die
nächste Ortschaft ausfliegen.

So bummelten wir durch Grand Junction, Colorado. Passenderweise feierte man gerade den Earthday, den „Tag der Erde“ und die Hauptstrasse wurde zur Fussgängerpromenade mit Infoständen über Solarenergie, verziert mit indianischem Schmuck, Esoterik und Vielem mehr. Eine Liveband aus der Gegend trug mit peppigen
Liedern zur guten Stimmung bei. Kaffee und das selbstgemachte Muesli im Kaffeehaus waren köstlich, kein Wunder, dass es im Wettbewerb „Best of the West“ mehrfach ausgezeichnet worden war.

So schön diese Unterbrechung war, in Chicago hatten sich die Verspätungen zu geschlagenen fünf Stunden summiert, so dass trotz einer Umsteigezeit von drei Stunden unser Anschlusszug in Richtung Washington
ohne uns los war. Dabei lässt man Landstreckenzüge schon mal eine Stunde aufeinander warten, um Anschlüsse zu gewährleisten. Nur bei dem Chicago-Washington-Zug ist das anders. Wegen der „white collars“, der
Leute mit den weissen Kragen, wie uns später ein Schaffner erklärte. Unsere Kragen waren eher schmutzig und so standen wir in Chicago. Die nächste direkte Verbindung nach Washington würde erst man nächsten Tag zur gleichen Zeit fahren. Also zur Auskunft und sehen, was es für Alternativen gab.

Zu dem Ärger mit den Verspätungen kommt der Ärger über das Bahnhofspersonal. Streng geteilt in Servicepersonal auf der einen und Verkaufspersonal auf der anderen Seite, steht der arme Reisende hilflos zwischen den Fronten. Der Service rät uns, die Strecke über New York nach Washington zu nehmen und wir versuchen, beim Verkaufspersonal einen Zwischenhalt in Baltimore zu bekommen, weil wir sonst um Mitternacht in Washington ankämen. Da Hotels in der Hauptstadt und in Bahnhofsnähe – also beim Regierungsviertel – auf die letzte Minute locker 300 Dollar kosten, ist der Zwischenhalt in Baltimore für unsere Reisekasse ganz entscheidend. Aber man weigert sich, unsere Fahrkarten gegen andere mit Zwischenhalt in Baltimore zu tauschen. Also wieder zurück zum Servicepersonal, bis die Spirale der
Zuständigkeiten beim Bahnhofsmanager endet. Endlich haben wir jemanden, der sein OK zu unseren bescheidenen Wünschen geben kann. Nun wissen wir, warum man immer gleich mit „Ich möchte den Manager sprechen“ kommen muss.

Unterwegs mit dem Häuptling des Südwestens

„Entspannen Sie sich, lehnen Sie sich zurück, lassen Sie sie Loks für sich arbeiten (let the rails do the work)“. Die Begrüssungsdurchsage des Zugchefs passt zur frohen Erwartung, mit der wir unsere Reise an Bord des Southwest Chiefs von Chicago nach Barstow in Kalifornien beginnen. Der Zug wird immerhin acht Bundesstaaten – Illinois, Iowa, Missouri, Kansas, Colorado, New Mexiko, Arizona und Kalifornien – durchqueren und für die mehr als 3600 km rund 36 Stunden brauchen. Zwei Loks ziehen dabei einige Schlaf- und Abteilwagen, den Speisewagen, einen Gepäckwagen und den vollverglasten Aussichtswagen. Mit ihren jeweils 800 kW sind sie jedoch Leichtgewichte verglichen mit den Frachtschiffen. Der Aussichtswagen wäre eine echte Bereicherung für deutsche Züge. Man sitzt längs zu den Fenstern und hat so einen grandiosen Blick auf die vorbeiziehende Landschaft.

Gleich in der Begrüßungsansage bekommen wir einige amerikanische Besonderheiten mit. Wir fahren an einem Sonntag im Bundesstaat Illinois ab und dort ist der Kauf und öffentliche Konsum von Alkohol am Sonntag verboten. So dass nur die Schlafwagenpassagiere in ihren privaten Kabinen sich ein Gläschen genehmigen dürfen. Auch im Cafewagen gibt es vorerst kein Bier zu kaufen, aber der Cafe-Mitarbeiter weist gleich darauf hin, dass ja nach 3 Stunden der Mississippi kommt und damit die Staatsgrenze nach Iowa und einige leckere Biere im Angebot sind. Wir lassen uns verleiten und teilen uns dann abends eine Flasche Corona. Als wir dann am späten Abend nach Missouri wechseln, ändern sich die Gesetze nochmals und wird sind wieder beim Alkoholverbot. Inzwischen ist der Hinweis auf das Rauchverbot Usus – nur an speziellen Bahnhöfen mit etwas längeren Halten kann auf den Bahnsteig geraucht werden. Was uns zum Schmuzeln bringt, ist der Hinweis: „No shoes, no service“. Offensichlich kommt es häufig vor, dass Reisende mit Socken oder barfuß im Zug unterwegs sind. Eine weitere wichtige Information sind natürlich die Regularien zur Zeitumstellung. Wir starten mit der Central time in Chicago, fahren am nächsten Tag größtenteils in der Mountaintime, und enden in Kalifornien in der Pacific time. Mit der Besonderheit, das wir faktisch schon in Arizona die gleiche Zeit wie in Kalifornien haben werden, da der Bundesstaat sich aus der Sommerzeitregelung ausgeklinkt hat.

Für Unterhaltung an Bord ist gesorgt. Neben den Gesprächen mit Mitreisenden gibt es viele Durchsagen. Mehrfach wird man auf den Frühstücks-, Mittagessen-und Abendbrot-Service hingewiesen. Wobei Abendbrot nur auf Reservierung möglich ist und dazu ein Mitarbieter durch den Zug läuft, um Termine zu vereinbaren. Besonders häufig sind die Durchsagen des Cafe-Stewards. Er würzt jede Ansage mit Ironie: ‚Ich kann es selbst kaum glauben, aber das Cafe ist heute bereits seit 5.30 Uhr geöffnet‘ oder ‚Beachten Sie, dass wir in eine neue Zeitzone kommen. Wenn ihr Handy das nicht von alleine merkt, sollten sie vielleicht den Anbieter wechseln‘, ‚Albuquerque ist noch 40 Minuten entfernt, aber ich dachte, ich kündige das jetzt schon mal an, dann können Sie Ihren Tag besser planen.‘, ‚Aufgrund von Umständen, für die ich nichts kann, ist das Cafe jetzt wieder geöffnet.‘ Und bei einem Ort in der Pampa mit berühmten Namensvetter nennt er die zwei Sehenswürdigkeiten, eine Kirche und ein Hotel, und hängt dann an: ‚Nun wissen Sie alles über Las Vegas, NM, was ich auch weiss.‘

Die Landschaft wandelt sich fast stündlich. Das liegt auch daran, dass wir den größten Teil des mittleren Westens in der Nacht durchqueren, so dass uns die Maisfelder erspart bleiben. Ein Höhepunkt am ersten Abend ist die Überquerung des Mississippi. Schon hier ist der ‚Old Man River‘ ein breiter Strom, obwohl wir weit oberhalb des Zuflusses von Missouri, Arkansas und Ohio sind. Auf einer langen Brücke rattert unser Zug über das Wasser und man denkt unweigerlich an Tom Sawyer und an Schaufelraddampfer. Am nächsten Tag erahnen wir schon die Nähe der Rocky Mountains, schneebedeckt zeichnen sich die mehr als 4000 m hohen Gipfel am Horizont ab. Die Gegend wird zunehmend karger. Waren es vorher noch Kühe auf den weiten Graslandschaften von Kansas – wir haben sogar einen klassischen Cowboy gesehen – sieht man nun tief eingeschnittene, aber ausgetrockene Flussläufe. Der Zug klettert langsam eine gigantische Hochebene herauf. Immerhin müssen wir bis zum 7588 Fuss hohen Raton-Tunnel. Die Loks haben gut zu tun, um diesen Anstieg zu bewältigen und statt der maximal möglichen 145 km/h fahren wir oft im Schritttempo. Noch gibt es Pappel und Kiefernbüsche. Unser Cafe-Steward hält uns über Chancen, Rehe, Füchse oder gar Bären zu sehen, auf dem Laufenden.

Ist man einmal durch den Tunnel, wird die Landschaft wüstenartig und man kann die ein oder andere Antilope erspähen. Das Örtchen Raton begrüsst uns passenderweise mit einem Bahnhof in Pueblo-Architektur. Winter wie Sommers erwacht das Örtchen aus seinem Dornrösschen-Schlaf. Im Winter sind es die Ski-Fahrer, im Sommer überfluten tausende junger Pfadfinder aus den USA den Ort. Sehenswert sind die alten Gebäude gleich hinter dem Bahnhof, etwa das ‚Golden rule and New York store‘. Die Bahnstrecke war Weg für Händler und Siedler und schon vor der Bahn als Santa Fe-Route viel bereist. Tradionellen Gefahren wie Durst und Klapperschlangen ist der moderne Reisende nicht mehr ausgesetzt.

Das Land ringsherum ist Komanchen- und Apachengebiet. Heute fällt das vom Zug besonders an zwei Dingen auf: Einerseits nimmt die Zahl an Andenkenläden längs der Strecke zu, andererseits sieht man häufig Kasinos. Insbesondere in der Umgebung von Albuquerque. Die Indianerreservate sind in den USA rechtlich so eigenständig wie die Bundesstaaten und so ist in vielen das Glücksspiel erlaubt, während es in der Umgebung verboten ist. Gutes Geld für Winnetous Brüder.

Bahnhof Jekaterinenburg

Von Philadelphia über Washington nach Chicago

Die Sensation ist: wir haben Internetanschluss und können per AMTRAK-Service verfolgen, wo unser Zug gerade unterwegs ist (siehe Schnappschuss). Das Netz funktioniert nicht schlecht, so kann Jenny eine Weile mit uns per Videokonferenz am mächtigen Fluss Delaware vorbeifahren. Aber diesen Superdooper-Service gibt es noch nicht überall – bislang scheint das nur im acela Express zu gehen.

Abgesehen von diesen technischen Spirenzchen zweifeln wir, ob wir nicht falsch abgebogen und gaaaanz weit nach Osten gefahren sind. Ganz ehrlich: russische und amerikanische Bahnhöfe nehmen sich in ihrer Wuchtigkeit gar nichts und wenn dann Passagiere noch russisch sprechen …

Einen echten Unterschied gibt es aber doch: wie vor 12 Jahren ist an unserem Schaffner ein Showmaster verloren gegangen. Er warnt davor, nur in Socken aufs Klo zu gehen und endet jede Ansage mit einem selbst erfundenen Liedchen ‚Potatoes, potatoes‘. Für die, die mit Pittplatsch durchs Jahr gesungen sind, frei übersetzt mit: Kartöffelchen, Kartoffelchen, Kartöffelchen. Als wir heute früh in Chicago am Bahnhof ankommen, verabschiedet er alle mit: Chicago Union Station. It is our final stop. All out of the pool. Chicago Union Bahnhof. Unsere Endstation. Alle bitte raus aus dem Swimmingpool.

Bahnhof Philadelphia

Bahnhof Philadelphia

Moskau ist immer um die Ecke, selbst im Bahnhof von Philadelphia.

Moskau, Moskau

Moskau, 31 Grad und Sonnenschein – die Frisur hält. Im Prinzip schon, aber nicht, wenn man aus dem 24. Stockwerk des Hotels Izmailovo Delta schaut oder mit dem Boot auf der Moskva rumschippert. Die Fahrt nach Moskau verlief von ereignislos entspannend bis entnervend dramatisch soweit ganz gut. Letzteres hatte damit zu tun, dass die weissrussischen Bahnbeamtinnen in der ihnen eigenen Freundlichkeit gegen 4 Uhr morgens feststellten, dass sie unser Ticket nach Moskau nicht akzeptierten. Das war 20 min vor Abfahrt des Zuges. Durch schauspielreife Einlagen (Vortäschen von sprachlicher Unkenntnis, Verdrückte Tränen) gelang es dann aber noch zwei (neue) Fahrkarten zu besorgen.
Angekommen in Moskau sind wir dann in eine Kneipe in Kitai-Gorod (Chinatown) in das Konzert von Marimba Plus gegangen. Eine ziemlich interessante Band, die sich an der Verschmelzung von Merenge und Soul mit afrikanischen Einflüssen ausprobiert. Die Leute der Band hatten wohl auch eine Weile in einem Dorf in Afrika gelebt und dort irgendeinen Dialekt gelernt.

Am nächsten Tag waren wir im Majakowski-Museum. Schon die surrealistische Struktur der Inneneinrichtung des mehrstöckigen Gebädes ist einen Besuch wert. Mit ziemlich viel Liebe zum Detail sind so Verbildlichungen etlicher Majakowski-Gedichte und seiner Lebensstationen entstanden.

Im Zentrum Moskaus hat sich natürlich viel getan. Das ZUM ist inzwischen ein Nobelkaufhaus (wie schon immer das GUM) und absolut keinen Besuch mehr wert. Dafür ist das Eis immernoch extrem lecker, die grusinische Küche fantastisch und der Anblick der Stadt von der Moskva aus atemberaubend.

Bevor wir heute abend in den Zug nach Peking steigen, gehen wir noch ins Rerich-Museum und schauen uns die tollen Farben des russisch-amerikanischen Malers im Original an.
Soviel für heute.