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Raststättentourismus

Auf unserem täglichen Streifzug nach etwas Essbarem im Umkreis von 15 km um unser Zelt am Biwa-See querten wir diesmal die Nationalstraße 161. Dadurch wurden wir auf die Tafel mit dem großen I unter zwei Bäumen aufmerksam. “I” wie Information, also nichts wie hin. Wir landeten auf einer Autobahnraststätte an einer halbfertigen Autobahn. Dieser Ort ist die Aufnahme in einen Reiseführer wert. Warum? Im blitzblanken Erholungsraum mit ca. 10 Riesenflachbildschirmen lief gerade das Spiel Deutschland-Portugal. Neben der großen, sehr gut besuchten Verkaufshalle mit regionalen Leckereien und Andenken befand sich ein Museum über die Herstellung japanischer Fächer. Für 1600 Yen (ca. 12 EUR) konnte man sogar selbst einen “orijinaru” (von engl. originell) Fächer bemalen oder einfach die angenehme Kühle eines klimatisierten Raumes genießend, einem Handwerker bei der geduldigen Herstellung zuschauen. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man es in Japan schafft, in den hektischen Alltag Momente der Ruhe einzuplanen und alte Traditionen direkt erfahrbar zu gestalten. Andererseits: Klöppeln am Schkeuditzer Kreuz?!

Zurück zur wirklichen Mission: der Jagd nach Essbarem! Nun, was sollen wir sagen ohne ins Schwärmen zu geraten? Es gab in der Raststätte sogar ein Bio-Restaurant, wo wir für sage und schreibe 6 EUR pro Nase hervorragend gespeist haben (Fotobeleg folgt). Kann das noch getoppt werden? Es kann. Wir wurden nämlich von einem Gymnasiallehrer aus Aoyagi angesprochen. Er war neugierig, wir waren neugierig und so begann ein interessantes Gespräch. Es endete damit, dass er uns vier 300-Jahre alte Yenmünzen schenkte. Damals übrigens mit Loch in der Mitte, da die Geldbörse noch aus einem an der Kleidung befestigtem Strick bestand.
Leute, geht ab und zu mal in eine Raststätte. Wer weiß schon, wer und was einem so begegnet.

Sommer, Sonne, Biwastrand

Ab heute beziehen wir unser Zeltlager am Oststrand des Biwako, des grössten Binnensees Japans und etwa 40 km nordöstlich von Kyoto gelegen. Ja, wir sind also gut angekommen in Kyoto und haben uns inzwischen den Sand der Gobi wieder aus den Lungen gehustet und die ersten sentimentalen Kurzbesuche, wie etwa in unserem Lieblings-Kaiseki-Restaurant in Uji, erledigt. Kaiseki-Essen hat übrigens erstmal nichts mit der Kaiserfamilie zu tun. Es ist die Bezeichnung für die gehobene Küche Kyotos und besteht aus vielen kleinen Köstlichkeiten. Mit der Kaiserfamilie hatten wir allerdings auch zu tun. Seine kaiserliche Hoheit, Prinz Sowieso, Bruder des Kronprinzen, war nämlich Ehrengast des 3. Weltkongresses der Ressourcen- und Umweltökonomen. Der Kongress geht heute zu Ende und unser Urlaub kann beginnen. Irgendwann Mitte August berichten wir dann, ob es mit dem Interview des Schweizer Mönches in der Klosteranlage in der Nähe des Berges Koya geklappt hat, wieviele Taifune es gab, wie das wichtigste Fest Kyotos – das Gion-Matsuri – verlief, ob wir es auch nach Sadogashima geschafft haben zum Trommelfest … … Viele Pläne, die irgendwie gar nicht nach Urlaub “Sommer, Sonne, Ostseestrand” klingen.