Archiv der Kategorie: Japan

Do-Re-Mi oder Ja-Le-Mi?

Heute haben wir Unterricht im Sanshin Spiel. Jenny meistert abgesehen vom japanisch sprechenden Lehrer auch noch die Herausforderung, dass wir kein westliches Notenbild haben, sondern eines mit in Quadraten geschriebenen Schriftzeichen. Die stehen für das Solmisationsschema Do-Re-Mi. Nie gehört? Ist doch schon seit dem Mittelalter bekannt. Aber im Osten ging man aus pädagogischen Gründen auch per Ja-Le-Mi vor, jedenfalls könnte man auf diese Idee laut dem Wikipedia-Artikel kommen.

Was wollen wir eigentlich berichten? Na, dass wir heute das schoene Lied „Asadoya Yunta“ gelernt haben, zumindest, in groben Zügen.

Sanshin-Unterricht

Sanshin-Unterricht

Trauerfall mit sieben Küssen

Da ist sie hin. Nach 8 Jahren zuverlässiger Arbeit hat unsere Kamera still und leise ihren Geist aufgegeben. Man möchte sagen, viel zu früh, um dann O.F. Weidling aus dem Off fragen zu hören: ja, wann wäre es Ihnen denn Recht gewesen? Kluger Komiker. Zwischendrin hatten wir die Kamera immerhin aussortiert, aber die für unsere USA-Fahrt frisch gekaufte sollte ja Barcelonaer Kriminelle sponsern. Andererseits geben wir die Hoffnung noch nicht ganz auf, auch wenn verschiedene Tests nicht funktionierten – vielleicht bringt die Durchsicht in einer Service-Station noch etwas. Aber hier auf Okinawa gibt es keine und einschicken dauert mindestens drei Wochen. Zu lang, denn in genau 3 Wochen sind wir bereits auf dem Weg von Okinawa nach Kyushu. Also blieb uns nichts anderes, als eine neue zu kaufen.

In Japan sind die Nachfolgermodelle unserer Kamera nicht schnöde Nummern, sondern Küsse. Wir nehmen die mit sieben Küssen und nem i. Das gute Stück fungiert übrigens immernoch als „Einsteigermodell“. Da möchte man glatt beleidigt sein bei mehr als 27 Jahren intensiver Hobbypflege. Aber ganz ehrlich, der Techniksprung nach 8 Jahren ist auch so gewaltig und wer will eigentlich diese unhandlichen Klopper mit auf Reisen nehmen? So bleiben wir weiterhin mehrere hundert bis tausend Euro entfernt von „Professionellen“, „Semiprofessionellen“ und „Modellen für ambitionierte Fotographen“. Außerdem geraten wir an einen außerordentlich cleveren Geschäftsmenschen. Obwohl nur Kits – also Kamerakörper plus zwei Objektive – im Angebot waren, hatte er den klasse Einfall, die uns nicht interssierenden Objektive „zurückzukaufen“, um uns dann für den nackten Körper einen Preis anbieten zu können, der nochmal deutlich unter allen im Internet auffindbaren Preisen lag. Billiger als in Deutschland sind wir ohnehin weggekommen. Glück im Unglück. Man kann es aber auch Symbiose nennen, immerhin schmieren wir die Okinawaische Wirtschaft mit ner ganzen Menge Kohle.

_MG_7094

_MG_7094: Das letzte Foto nach 8 Jahren zuverlässiger Arbeit. Insgesamt haben wir damit 27.094 mal geknipst. Quantität, äh, Qualität statt Quantität!

Blühbirnen

Die Chrysantheme wird in China schon seit mehr als 2000 Jahren angepflanzt. Da sie im September blüht, schätzt man sie besonders. Das kommt davon, dass der neunte Monat ein zuviel an Yang hat und man diesen Überschuss mithilfe der Chrysantheme ausbalancieren kann, zum Beispiel in Form von gleichnamigem Wein. In Japan kennt man den hübschen Herbstblüher seit dem 8. Jahrhundert und der Kaiser war offensichtlich so fasziniert, dass er sich gleich mal mit ihr bewappnete. Wie bei uns wird sie aber auch gern als Grabschmuck verwendet und so ließ man sich etwas einfallen, um sie auf Abruf zum Blühen zu bringen. Gräber werden nämlich gern zum Frühlingsbeginn in Ordnung gebracht. Doch auch zu Neujahr gibt es das ein oder andere Chrysanthemengesteck.

Okinawa nun ist einer der Hauptproduzenten der Chrysantheme, wir reden von etwa 20 Millionen verkauften Blumen pro Jahr. Auf den Feldern im Norden der Insel kann man sich erwähnten Blühkniff abschauen. Zumindest, wenn man sich fragt, was all die Glühbirnen über den grünen Feldreihen sollen. Das heißt, wir erkundigten uns bei den Gärtnern und die Antwort war sozusagen einleuchtend: solange die Tage nicht kürzer werden, ist noch Sommer, andernfalls entwickeln sie ihre Blüte. Also knipst man in der Nacht das Licht an und täuscht der Pflanze ewigen Sommer vor. Die Temperaturen schwanken ja im Gegensatz zum japanischen Festland nicht so stark und spielen daher kaum eine Rolle. Wer es chemisch ganz genau wissen will, merke sich das Stichwort Phytochrom – das ist der Lichtmessbotenstoff. Im Moment rüstet die Branche auf rotleuchtendes LED um, denn Phytochrom spricht nur auf diesen Teil des Spektrums an. Das spart Energie. Dann sieht man vom Flugzeug aus eben rote Feldbahnen.

Blühbirnen

Blühbirnen

Chrysanthemen blühen auf Knopfdruck

Geht das Licht aus, blühen Chrysanthemen

Gut zu Boot

Gut zu Boot

Sabani heißt das ryukyuanische Boot. Es gibt noch ein paar Meister und Enthusiasten, die es herstellen. Und wie das Bild zeigt, nicht nur fürs Museum. Auch hier wird nur genutet und verpropft. Zum Fortbewegen nutzt man ein Segel oder paddelt. Bis zu den nächstgelegenen Insel kommt man damit, so die Meeresgötter mitspielen.

Hallo, hallo … Eins, zwei …

Vorbereitung

Shisa übernimmt das Kommando: Hallo, hallo! Eins, zwei. Kann mich jeder gut hören? Mir kam zu Ohren, dass es bald prominenten Besuch auf der Insel gibt. Jemand namens Jenny B. soll sich bald auf den Weg machen. Deshalb habe ich für heute eine Übung angesetzt. Auf die Plätze, …

Farbübung

… Farbe los!

Vorbereitung

Wie steht es mit der Vorbereitung von adequatem Essen? Veggieburger und Blumenkohlsuppe. Gut, das hat auch geklappt. DANN KANN JA NIX MEHR SCHIEF GEHEN!

Dschungelfrühling

Warmer Regen

Warmer Regen bringt den Frühling im Dschungel. Heute wandern wir einen alten Pfad, den Hanta-Weg, quer durch den Dschungel zu den Ruinen der Burg Nakijin. Dem frischen Grün sieht man an, dass es in den letzten Tagen einen Wachstumsschub gegeben hat. Frühling zieht ein in die Subtropen.

Brokkoliwälder

Brokkoliwald wird der Wald in Okinawa gern genannt. Schwierigkeiten, dies nachzuvollziehen, haben wir nicht.

Zimmerpflanze

Eine neuer Eintrag in die Liste bekannter Zimmerpflanzen. Nur etwas größer.

Burg Nakijin

Burg Nakijin wurde im 14. Jahrhundert gebaut und war ein Zentrum des blühenden Handels mit China, Taiwan, Vietnam, Korea und Japan. Das zeigen unter anderem die vielen Kermanik- und Münzfunde. Die noch orignal erhaltenen Mauern sind geschwungen, wie es typisch für Ryukyuanische Architektur ist.

Unruhiger Geist

In Naha erzählt man sich folgende Geistersage. Einmal kam eine junge Frau in einen Laden, in dem es Süßigkeiten zu kaufen gab. Sie trug ihr langes Haar offen und war ungewöhnlich blass. Die Frau erwarb ein paar gebackene Naschereien, die mit einer Erdnusspaste gefüllt waren, und dem Verkäufer war es recht.

Gebackene Küchlein mit Erdnusspaste gefüllt

Gebackene Küchlein mit Erdnusspaste gefüllt

Am Abend, als er aber sein Geld zählte, fiel ihm auf, dass die Frau mit Totengeld bezahlt hatte. Mit dem Geld also, das man üblicherweise an Gräbern opferte. Am nächsten Tag kam sie erneut und bat abermals um Süßigkeiten. Nun achtete der Verkäufer auf das, was er im Austausch für das Gebäck bekam. Es war echtes Geld und alles schien in Ordnung. Bei Ladenschluss jedoch fand sich erneut Papiergeld in der Kasse. Da wunderte er sich doch sehr. Am dritten Tag folgte der Mann ihr daher, nachdem sie das Geschäft verlassen hatte. Sie lief die Straße hinunter und bog um ein Haus.

Gasse mit alten Hütten in Naha

Gasse mit alten Hütten in Naha

Der Mann eilte hinterher, schaute um die Ecke und sah gerade noch, wie sie in einem Grab verschwand. Aufgeregt wandte er sich an die Nachbarn, denen das Grab gehörte. Diese erzählten, dass sie erst kürzlich eine tote Schwangere auf der Straße gefunden und im eigenen Familiengrab bestattet hatten. Nachbar und Verkäufer beschlossen, das Grab zu öffnen und in die Kammer zu sehen. Dort fanden sie die Tote und der Verkäufer erkannte sie als die Frau, die nach Süßigkeiten gefragt hatte. Doch der Schrecken war groß, denn ein kleines, quicklebendiges Baby lag zu Füßen der Verstorbenen und aß von den Süßigkeiten. Als die beiden das Kind an sich nahmen, hörten sie plötzlich ein Seufzen und der Geist der Frau erschien. Sie bedankte sich für die Rettung ihres Kindes und verschwand für immer ins Reich der Toten.

Ort der Sage: das Grab hinter diesem Haus.

Ort der Sage: das Grab hinter diesem Haus. Bis heute ist der kleine Flecken nicht bebaut.

Awamori und Daiko-Service

Heute waren wir eingeladen zur Besichtung einer Awamori-Brennerei. Das war sehr spannend und wir besuchten einen echten Tüftler. Die Brennerei befindet sich in einem 60 Jahre alten Haus, was an sich schon einen Seltenheitswert in Okinawa hat. Hinzukommt, dass der Besitzer Gefahr läuft, seine Brennerlaubnis an Ort und Stelle zu verlieren, falls er auf die Idee kommt, dass gute alte Haus zu renovieren. Die Gegend ist nämlich inzwischen ausschließlich für Wohnungen vorgesehen. Allerdings sympathisieren die Leute in der Umgebung mit dem Tüftler und nicht mit den japanischen Winkeladvokaten.

Die Zutaten von Awamori beschränken sich auf dreierlei: Wasser, Reis und schwarzen Schimmelpilz – Kouji. Verwendet wird dafür interessanterweise Reis aus Taiwan und nicht aus Japan. Das hat mit der Dicke der Körner und der Klebrigkeit zu tun – für eine gute Durchschimmelung kann man beides nicht gebrauchen. Wir hatten die Gelegenheit das Produkt der Vorgärung zu probieren, also das, was man in Deutschland (und auch in Okinawa) dann den Schweinen verfüttert. Die Masse hat noch kaum Alkoholgehalt und ist dafür mit sehr viel Ascorbinsäure angereichert – das Ganze hat eine Pudding-ähnliche Konsistenz und schmeckt ein wenig wie Zitronenschokolade, nämlich ausgesprochen lecker. Das Endprodukt haben wir auch verkostet – in mehreren Experimenten: nur Riechen, etwas Schmecken, mit Rosinen gekaut … Man muss sagen, dass guter Awamori wirklich weit weg ist von billigem Fusel, weich auf der Zunge liegt und nach Vanille duftet.

Awamori-Brennerei

Mit dem Präsidenten der Gesellschaft der ausländischen Freunde des Awamori besuchen wir eine Brennerei.

Auszeichnungen

Die Auszeichnungen sind einmal mehr Beweis für die Innovationskraft, die von alten Hütten ausgehen kann.

Die Vorgärung

Die Vorgärung. Es blubbert kräftig.

Rustikale Kneipe in Naha

Im Anschluss geht es in eine rustikale Kneipe in Naha.

Kein Taxi

Kein Taxi. Seitdem in Japan 0.0 Promille gilt und die Gastgeber für das Einhalten verantwortlich sind, hat sich eine neue Dienstleistung etabliert. Man ruft nicht das Taxi sondern ein „Daiko“ mit zwei Fahrern. Einer fährt das eigene Auto nach Hause und der andere fährt mit dem Daiko-Auto hinterher und sammelt den Fahrer dann wieder ein. So kommt man auch angesäuselt samt Auto wohlbehalten nach Hause.