Archiv der Kategorie: Osaka

Der Weg in die Südsee ist beschwerlich

Eine Woche Kansai ist um. Wir haben eine Takoyakiparty gefeiert, Bratäpfel gebacken, Kartoffelsalat und Würstchen aus gegebenem Anlass mit unserem Freund Hide, seiner Frau Risa und ihren zwei Wonneproppen verspeist. Auf dem Nürnberger Weihnachtsmarkt in Osaka unter dem Umeda Sky Building gab es auch noch Glühwein und Stolle. Bilder werden aus technischen Gründen nachgereicht.

Inzwischen sind wir kurz vor der Abfahrt unserer Fähre ins sonnige Okinawa, auf die Hauptinsel. Wir haben es nämlich aufgegeben uns bis Kagoshima per Fahrrad durchzukämpfen. Es gibt kaum Fahrradwege und falls doch entlang an dicht befahrenen Straßen. So muss man den Gehweg mit tagträumenden Spaziergängern und Fahrradfalschfahrern teilen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7kmh wären wir wohl erst zum Sommer in Okinawa, bzw vorher Pleite.

Daher haben wir umgeplant und sind auf die Fähre von Osaka nach Shibushi gestiegen. Eine Nacht im Großschlafsaal, das war preiswert und entspannend. Erfreulicherweise konnten wir Räder und Anhänger dann im Bus verstauen und erreichten so auch noch pünktlichst Kagoshima. Es war gleich 8 Grad wärmer, Palmen säumten die Straßen, die Sonne schien und es gab echte Radwege. Ein guter Auftakt. In 24h werden wir dann laut Plan Naha erreichen, eine nette Unterkunft ist gebucht. Wir freuen uns auf Heiligabend!

Grüne Landschaft Kyushus

Grüne Landschaft Kyushus, im Hintergrund raucht ein Vulkan

Curry-Reis auf Japanisch

Curry-Reis auf Japanisch

Gute Nacht auf der Fähre

Gute Nacht auf der Fähre

Takoyaki-Bällchen

Takoyaki-Bällchen Takoyaki-Bällchen

Pieke den Pirat

Pieke den Pirat Pieke den Pirat

Yeah, Abwasch!

Yeah, Abwasch! Yeah, Abwasch!

Meine neue Püppi (made by Jenny & Mami)

Meine neue Püppi (made by Jenny & Mami) Meine neue Püppi (made by Jenny & Mami)

Der Mensch ist gut, da gibt es nichts zu lachen

Mit dem Karma ist das ja so eine Sache. Man investiert und hofft, dass irgendwann die Rendite positiv ist. Das heisst, das hofft man nur heimlich, weil sonst gibts Minuspunkte. Tja, und was sollen wir sagen – vergesst das Karma und solche Geschichten, denn die Welt – der Mensch – ist gut. Punkt.
Diese Woche ist eine herrliche Woche, wir haben nach einem recht arbeitsreichen November und halben Dezember wieder Zeit, mal um uns herum zu blicken. Zwar waren August und Hide-san am Sonntag noch allein mit der lustigen Kansai-Wandertruppe 16 km bergauf und -ab unterwegs, (ich mußte nach Tokyo zwei Vorträge halten), aber schon am Montag fand die Jahresendparty (Bonenkai) unserer Physikergruppe statt. Es hat ausgezeichnet geschmeckt und war ein wirklich unterhaltsamer Abend. Damit jeder mal mit jedem spricht, wurden fließend die Sitzplätze gewechselt. Im Anschluß sind wir noch Karaoke-singen gegangen, das heißt ich habe wegen meiner Erkältung eher gekrächzt. Aber wie heisst es doch? Debye sein ist alles. (Für die Nicht-Physiker: Debye ist Nobelpreisträger und der Klang seines Namens sorgt für die insider-Veränderung des olympischen Mottos.)
Mittwoch sind wir nach Kyoto und Donnerstag nach Osaka, um Stollen und Glühwein für Freitag zu besorgen. Wir wollen Nachmittags eine Runde ausgeben und ein paar Bilder vom winterlichen Zittau zeigen. Man schluckt schon bei den Preisen. Eine Flasche Glühwein vom deutschen Weihnachtsmarkt in Osaka kostet 15 Euro. Wir brauchen drei. Der Stollen kostet so um die 10 Euro für 500 g. Aber wir agieren nach dem Motto: Augen zu und durch.
Am Kamo-Fluß in Kyoto fiel uns dann ein älteres Ehepaar auf (siehe Foto), das ein kleines Vögelchen in den Händen hielt. Es hatte sich kompliziert in einen Bindfaden verfangen und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Mit unserem schweizer Taschenmesser und abgestimmt japanisch-deutscher Zusammenarbeit operierten wir den Faden weg und das Vögelchen stürzte sich wieder übermütig, vielleicht noch etwas erschrocken, in die Höhe. Das war die Pioniertat vom Mittwoch.
Auf dem Heimweg vom Weihnachtsmarkt haben wir beschlossen beim Inder zu stoppen, wir hatten versprochen nochmal vorbeizukommen. Und das kam so. Auf dem Campus in Suita gibt es neben der Mensa eine kleine Bude, wo Inder Mittags Nan (Fladen) und Curry verkaufen. Ab und an, wenn es in der Mensa zu voll ist, gehen wir dort essen. Irgendwann im Oktober trafen wir dann dort auch den Besitzer des kleinen Restaurants, welches sich in der Nähe des Toyonaka-Campus befindet. Die Welt ist klein und es gibt immer Gelegenheit für einen kleinen Plausch. So auch gestern abend im Restaurant dann. Ein gut gelaunter Malaye, Großvater, stolzer Vater und Fussballspieler, war grad zu Besuch. Und wenn man schonmal da ist, kann man auch gleich helfen – und sich ein bisschen mit den Gästen unterhalten. Das geht, denn “man muß einfach nur ein wenig Englisch lernen und dann kann man heutzutage auf der ganzen Welt Gesprächspartner finden. Ist das nicht herrlich?” Der fröhliche Malaye kommt seit ein paar Jahren regelmäßig für 6 Monate nach Japan – solange gilt das Toursitenvisum – um auf seine Enkel aufzupassen, während seine Tochter an ihrer Doktorarbeit in Rechtswissenschaften schreibt. Habt ihr gehört, wie es grad gewaltig gescheppert hat? Nicht erschrecken, das waren nur ein paar Vorurteile, die wieder einen Sprung bekommen haben. Das Essen war erneut klasse: Kokosnuss-Curry, Dal, Knoblauch-Nan, Mango-Lassie und zum Schluß Gewürztee auf Kosten des Hauses. Und Kambodscha ist noch ein Stück näher gerückt.
Später gab es dann Musik. Sie kam aus einer kitschigen Weihnachtskarte, wo man draufdrücken muß. Eine Weihnachtskarte für Mr. August und Mrs. Jana von den benghalischen Köchen. Und der Moment war tatsächlich so still, wie der Text des Liedes.
Heute gibts die kleine Weihnachtsfeier, morgen gehen wir mit Satoshi, Junko und ihren zwei Kindern nochmal auf den Weihnachtsmarkt, Sonntag hat Hide Geburstag und Montag fangen wir an, “Indianer-Jones und das Grab des Kaisers” zu spielen. Das wird nämlich unser Weihnachtsgeschenk an uns. Frohe Weihnachten Euch allen!

Der Tag, an dem ich ein Piano traf

Wachwerden, gähnen, strecken. In einer grossangelegten Sammelaktion sind über nacht alle Regenwolken eingesammelt worden und die Sonne schwingt wieder das Zepter – ähm, d.h. natürlich den frischgedruckten demokratischen Stimmzettel, der klar und deutlich sagt: heute heiter und sonnig. Der Wecker zeigt unbeirrt 7.25 Uhr obwohl es eigentlich erst 6.55 Uhr ist, wie wir etwas später am Getränkeautomaten erfahren, als wir uns einen warmen Milchkaffee ziehen. Wir haben also Zeit. Zeit für einen Morgenspaziergang. Seit zwei Tagen erst wohnen wir auf dem Toyonaka-Campus der Uni Osaka. Ein Unibus pendelt aller 20 min zwischen Toyonaka und Suita, der erste fährt um 8 Uhr und der letzte gegen 19 Uhr. Abends um 7 ist es bereits dunkel, Osaka liegt eben etwa auf der Höhe von TelAviv. Doch der Campus ist nicht verlassen. Vor und in den Eingängen der verschiedenen Gebäude versammeln sich kleine Gruppen von Studenten, um zu trainieren: Hiphop, Breakdance, klassischen Chorgesang, Acapella. In der Gegend um die grosse Mensa jazzen die Blechbläser: zwei, vier, eher 6 verschiedene Bands und ein paar Solisten pusten gegen die stille Nacht. Am Morgen ist wieder alles leer und nur die Vögel schwatzen. Es ist so herrlich grün und die Luft duftet frisch nach Osmanthus. Es heisst, dieses Ölbaumgewächs mit seinen kleinen orangenen Blüten und betörendem Duft bringt einem das Lächeln wieder. Wahr oder auch nicht: in seinem Heimatland China soll es daher fast vollständig der Kulturrevolution zum Opfer gefallen sein.
Irgendwo auf dem Campus gibt es ein kleines Teehaus. Wir vermuten es in einem Wäldchen, stossen aber nur auf ein Gebäude mit grossen Fenstern und weissgedeckten Tischen, sicherlich finden hier Empfänge statt. Ein schmaler Trampelpfad geht am Haus vorbei und verschwindet im Dickicht. Wir klettern über ein paar verrottete Holzstufen und kommen seitlich des grossen Mensagebäudes wieder ins Freie. Unser Blick fällt auf einen überdachten Bereich: ein verwitterter Tisch mit ein paar Stühlen, ein oller Holzschrank, verrostete Schilder an den Wänden. Hier und da stehen leere Getränkeflaschen, Papier liegt herum. Das Bild verwandelt sich jedoch mit dem zweiten Blick: auf und in dem Schrank sind etliche Instrumentenkoffer verstaut, ein Gitarrenkoffer lehnt in der Ecke und das herumliegende Papier ist mit Noten beschrieben. Hier wurde abends Musik gemacht. Und auf einmal stand es da und wartete im dunklen Anzug, etwas asthmatisch zwar, aber mit aufgeklappten Deckel grüssend – Mister Piano. Der Wecker hatte heute früh auf 7.25 Uhr statt 6.55 Uhr beharrt und wir hatten Zeit. Zeit für einen Morgenspaziergang und Zeit für eine erste Bekanntschaft mit Mister Piano. Heute habe ich Geburtstag.

Alltagsbilder – Teil 1: Breite Spitzenforschung

Wollen wir ein wenig über den Alltag plaudern. Im ersten Teil dreht sich alles um den Campus bzw. die Campussi der Universität Osaka. Der zweite Teil schaut dann etwas auf den Alltag in japanischen Planungswohnvierteln.

Die Universität Osaka hat zwei Campusse – Toyonaka und Suita -, um die 12.000 Undergraduates, die 7.700 Graduate Students, die 2.400 Wissenschaftler, die 4.000 anderen Mitarbeiter und die 1.000 ausländischen Studenten (9 Prozent Europäer) unterzubringen. Nicht in der Liste enthalten sind etliche Batallione an Mücken und Freizeitsportlern, die sich auch noch auf den Sport- und Grünanlagen tummeln.

Zwischen den beiden Campussen (Campi klingt auch blöd) pendeln kostenlose Unibusse – die Mitfahrberechtigung im ersten und im letzten Bus schärfen Pünktlichkeitskonzepte. Eine Monorail (zu deutsch: ein spurgeführtes Landverkehrsmittel basierend auf Schwebetechnik) gibt es auch, eine gelegentliche Fahrt ist zu begrüßen – die Aussicht ist fabelhaft und die Fahrt eine Achterbahn für Schreibtischtäter. Zu Fuss benötigt man 1.45 h oder 2.30 h, mit gelegentlichen Fotostopps.

Was passiert an einem völlig normalen Tag (siehe Fotos)?
Nun: linkes Auge auf, rechtes Auge zu. Auf, zu. Morgenmuffelfrühsport. Bitte den Platz gleich vorn im Bus! Immer nur, rechte Spur; gib Gas, gib Gas! Schuhe wechseln in öffentlichen Gebäuden. Was, noch eine Stunde bis um 12 Uhr? Der Magen knurrt. Mensamittag, Urlaubsgefühl inklusive. Spitzenforschung drei Kaffees später. Wann gehen wir in die Mensa abendbroten? Zurück in Toyonaka. Wahlabend: A: Nachtleben in Ishibashi, B: Lesen, C: Computerspielen (Dreamfall ist einfach klasse), D: noch etwas arbeiten (Spitzenforscher schlafen nicht), E: schlafen