Archiv für den Monat: Februar 2012

Brücke in den Himmel

Am Anfang war es heiß und chaotisch. Die Ursuppe aus Quarks, Elektronen und Protonen brodelte, dann kochte sie über. Mit der Ausdehnung sank die Temperatur auf das kritische Maß herab und neutrale Materie entstand. Wer weiß, vielleicht auch ein paar Götter.

In Japan geht die Mär vom Geschwisterpaar Isanagi und Isanamu, zumindest in den alten Chroniken. Einen Speer sollen sie besessen und damit in der Ursuppe gerührt haben. Wo ein Spritzer auftraf, entstand eine Insel.  Und noch eine und noch eine. Bald waren es genug und die beiden stiegen über die Himmelsleiter hinab auf die Erde. Es gefiel ihnen, ihr Reich. Es gab Bäume, Felsen und Wasser. Die Luft war frisch und der Schlaf tief. Nur leider fiel darüber die Leiter um und von da an war ihnen das Himmelsreich versperrt.

Leben, Liebe, Geburt und Sterben nahmen ihren Lauf. Jahrtausende kamen und vergingen. Eines jedoch blieb: die umgefallene Leiter in den Himmel gibt es noch heute. Um sie zu sehen, reise man an die Westküste Japans, nach Ama-no-Hashidate. Man steige auf’s Treppchen und vollziehe den „Schenkelblick“, so steht es nunmal geschrieben.