Archiv für den Monat: Januar 2014

Baumgigant

Wir haben es schon immermal hier und dort angeschnitten: Okinawas Natur ist faszinierend. Beim Spazieren entlang des Flusses Kokuba kamen wir an diesem stattlichen Exemplar eines Gajumaru (auch Banyan-Feige) vorbei.

Feiger Riese

Feiger Riese

Drosselbart hab acht!

Eines der heute noch ertragreichen Handwerke Okinawas ist das Töpferwesen. Töpferwaren aus Ryukyu galten auch zur Zeit, als das Königreich noch eine Drehscheibe des Handels in Südostasien war, als erlesenste Ware. Man nennt diesen Handwerkszweig Yachimun (jap. Yakimono – gebrannte Waren). Wir besuchen ein Töpferdorf, dessen Wurzeln bis auf 1682 zurück gehen. Es ist heute wieder idyllisch gelegen, von grünem Dschungel gegeben, und die Häuser, allesamt traditionell gebaut, sind mit roten, gebrannten Dachziegeln versehen. Da steckt viel Liebe und Aufwand dahinter, denn man muß wissen, dass nahezu 80% des Landes und 90% aller Gebäude nach der Schlacht um Okinawa zerstört war. Jeder vierte Okinawaer überlebte diesen ungewollten Krieg nicht, doch das ist wiederum eine eigene, sehr traurige Geschichte.

Das Töpferdorf in Yomitan ist mit viel Engagement durch eine Töpferkooperation wieder aufgebaut worden. Als gemeinsame Arbeits- und Wohnstätte übrigens. Nach alter Tradition hat man auch einen gemeinsamen großen Brennofen errichtet, der über neun Kammern verfügt und – uns bis dato unbekannt – am Hang liegt. Der Vorteil ist, dass man die Hitze effizienter nutzen und mit einem Schwung eine große Menge an Keramik erzeugen kann. Gefeuert wird mit Kiefernholz und bis zu fünf, sechs Mal im Jahr wird der Ofen angefacht. Die Asche, die dabei entsteht, legt sich wie eine natürliche Glasur über die Töpferwaren. In den offenen Werkstätten des Dorfes kann man die Arbeit von 70 verschiedenen Töpfern bewundern. Die berühmtesten Stücke sind immer noch die guten Seelen Okinawas, die Shisahunde, als auch allerlei Geschirr sowie Dachziegel.

Mehrkammerofen in Hanglage - die traditionelle Art Keramik herzustellen

Mehrkammerofen in Hanglage – die traditionelle Art Keramik herzustellen

Yachimun - Töpferwaren aus Okinawa

Yachimun – Töpferwaren aus Okinawa

Meeresweintrauben

Umibudo ist eine regionale Köstlichkeit auf Okinawa. Botanisch heißt die Pflanze Caulerpa lentillifera, das ist nichts anderes als eine Grünalge. Das Geschmackserlebnis erinnert von Geschmack und Konsistenz her an Kaviar, wofür die kleinen am Algenstiel befindlichen Bläschen und der salzige Meergeschmack sorgen. Das Platzen der kleinen Kügelchen im Mund heißt lautmalerisch putschi-putschi.

Man isst die Meeresweintrauben pur, als Zutat bei Salaten oder auch zu einer Schale Reis mit rohem Fisch. Reich an Jod, Vitamin A und Vitamin C, sowie ungesätigten Fettsäuren bekommt das ganze auch noch eine gesundheitliche erfreuliche Note. Das passt gut in das allgemeine Ernährungskonzept Okinawas – man isst gern und vielseitig, aber folgt dem Prinzip „hara hachibu“ (Bauch zu 80% füllen) und „Essen ist Medizin und Medizin ist Essen“.

Meeresweintrauben

Meeresweintrauben

Kirschblütenschau

Die Kirschblüten sind nun voll erblüht und so fahren wir nach Motobu, ganz in den Norden von Okinawa. Dort sind entlang von alten Flugbahnen und Millitärplätzen wieder grüne Alleen entstanden. Ende Januar ziehen dunkelrosa Tupfer ein. Und in Kitanakagusuku gibt es übrigens derzeit ein Sonnenblumenfest – 40.000 Sonnenblumen stehen in voller Blüte. Wenn das nix ist.

Vögel und Schmetterlinge naschen von den Kirschblüten

Vögel und Schmetterlinge naschen von den Kirschblüten

Nette Ausflugstruppe

Nette Ausflugstruppe

Sprung in die Vergangenheit

Zur Zeit kommen wir nicht damit hinterher all die vielen Eindrücke zu verarbeiten, die auf uns einprallen. Daher geht es im Telegrammstil weiter. Im Shuri-Schloss sind wir heute ein paar Jahrhunderte in der Zeit zurückgesprungen und haben eine religöse Zeremonie verfolgt. Im Mittelpunkt dieser stand die Schwester des Königs, ihrerseits Oberpriesterin. Mit ihren Priesterinnen vollzog sie Rituale zu Ehren von Naturgeistern.

Speiseopfer für den Feuergott

Speiseopfer für den Feuergott

Die Priesterinnen (Noro) werden ihrerseits verehrt.

Die Priesterinnen (Noro) wurden und werden ihrerseits verehrt.

Außerdem: Entdeckung eines der wenigen Bäume, die nach der Schlacht von Okinawa noch übrig waren, Konzert singender Landwirte und Schmaus in einem Okinawa Restaurant (Holzhütte).

Weißer Traum

Zur Zeit sind wir in Yomitan unterwegs, dem größten Dorf Japans. Auch wenn der Ort tatsächlich eine Stadt sein könnte, ist er durch und durch ländlichen Charakters. Wir radeln vorbei an Zuckerrohrfeldern – gerade ist Ernte -, auch Bananen und Papaya werden angebaut. Außerdem gibt es verschiedene Salate, Zwiebeln, Bohnen und Erbsen. Es geht gut bergauf und bergab, auch der Strand ist zerklüftet und bildet wunderschöne Felsformationen. Es gibt aber etliche Buchten mit weißem Traumstrand.

Herrliche Strände in Yomitan

Herrliche Strände in Yomitan

Träume müssen natürlich auch im Paradies umgemünzt werden und so boomt das Geschäft mit der Traumhochzeit am Sandstrand. Das I-Tüpfelchen ist die romantische Hochzeitskapelle mit Blick auf den Strand.

Bescheidenes Hochzeitskirchlein

Bescheidenes Hochzeitskirchlein

Uchinaguchi

Auf Okinawa spricht man zwar japanisch, doch die Sprache des Ryukyu-Königreiches hat sich hier und da noch erhalten. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man an die Japanisierungspoltik vor allem in der Meiji-Zeit (1862-1910) denkt. Uchina so nennen die Okinawaer ihre Inseln. Uchinaguchi ist die Okinawaer Mundart. Im Prinzip verhält sich uchinaguchi zu japanisch wie niederländisch zu deutsch, die Entwicklung verlief etwa seit dem 7. Jahrhundert separat.

Auf youtube gibt es einen niedlichen, künstlerisch ansprechenden Film, in dem ein Shisalöwe ein paar Wörter auf uchinaguchi singend erklärt. Klar, dass er dabei auf einer Shisa spielt.

Shisa singt Uchinaguchi

Versunken

Wir haben uns die letzten Tage etwas rar gemacht. Schuld ist das neu eröffnete, fabelhafte Museum der Präfektur Okinawa. Es bietet Informationen in Hülle und Fülle, multimedial aufgearbeitet und für alle Sinne ist etwas dabei. Ehe wir uns durch alle Räume, Filme und auch Bücher gearbeitet haben, wird noch eine Weile dauern. Die Quintessenz findet sich dann auf jeden Fall in unserem neuen Buch wieder. Für dieses sind wir fleißig am Kontakte knüpfen und Ideen sammeln. Daher gibt es jetzt nur zwei hübsche Bildchen vom Museum, das selbst ein architektonischer Schatz ist. Vermutlich bildet es die historische Form von Gusukus nach – das sind die Schlossanlagen des Ryukyu-Königreiches (Weltkulturerbe).

Eingang des Präfekturmuseums von Okinawa

Eingang des Präfekturmuseums von Okinawa

Außen hat man traditionelle Hütten aufgebaut

Außen hat man traditionelle Hütten aufgebaut