Archiv für den Monat: März 2014

Stippvisite in Fukuoka

Fukuoka ist eine Stadt mit 1.5 Millionen Einwohnern. Es gibt sehr viele Touristen, vor allem aus Asien, was wiederum kein Wunder ist, denn die Metropole punktet mit Einkaufsmeilen bzw. Einkaufskubikmeilen. Weiterhin ist die koreanische Stadt Pusan in 2.5 Stunden per Tragflächenboot erreichbar. Die Shopping-Paradiese werden von uns gechoppt (geköpft) und wir spendieren hier zwei Frühlingsbilder. Die Kirsche blüht und die Stadt hat viele Frühlingsgrüße gepflanzt.

Kirschblüten interessieren Handy-Zocker marginal

Kirschblüten interessieren Handy-Zocker marginal

Tulpen

Tulpen kennt man schon eine Weile. Die Niederlande waren ein wichtiger Handelspartner.

Nicht weit von Fukuoka liegt die ehemalige Regionalhauptstadt von Kyushu. Dazaifu ist ein charmantes kleines Städtchen mit einigen Tempeln, Schreinen, historischen Regierungsgebäuden und einer Reihe an Delikatessenläden (u.a. probieren wir Sesamkracker, Japanpflaumeneis, Hefeklöße mit Schweinefleischfüllung, Reiswaffel mit süßer Bohnenpaste und Gewürzkracker – dabei bleiben wir aber dem Harahachibu treu). Seit neuestem befindet sich in Dazaifu auch ein weiteres Nationalmuseum Japans. Derer gibt es vier: je eins in Tokio, Kioto, Nara und nun in Dazaifu. Das katapultiert Kyushu gefühlt in die gleiche Liga mit den anderen kulturellen Schwergewichten. (Das Präfekturmuseum von Okinawa könnte übrigens gut als Nummer 5 mithalten.) Symphatisch am Nationalmuseum in Kyushu ist, dass es sich nicht ausschließlich japanischer Kunst widmet, vielmehr spannt es einen gelungenen Bogen quer durch den asiatischen Kontinent. Das ist mal ein Kontrapunkt zur aktuell nationalkonservativen Regierung Japans.

Nationalmuseum in Dazaifu

Nationalmuseum in Dazaifu

Nationalmuseum in Dazaifu

Nationalmuseum in Dazaifu: die Architektur ist beeindruckend. Leider kann man keine Fotos von der sehr lohnenswerten Ausstellung selbst machen.

Tenmangu-Schrein in Dazaifu

Tenmangu-Schrein in Dazaifu

Ein Schmankerl: im Tenmangu-Schrein gibt es eine Statue des chinesischen Fabelwesens Kirin (auch Quiin). Es ist dem Einhorn ähnlich und eine bekannte Biermarke nutzt es als Logo. Letzteres ist den meisten Japanern geläufig, aber die märchenhafte Verbindung weniger. So hörten wir einige „ooooohs“, als die Besucher die Infotafel lasen. Achja, Firmen opfern (spenden) in Schreinen, daher die Sakefässer und Bierkästen.

Fabelwesen Kirin

Fabelwesen Kirin

Alkoholopfer - 0.0 Promille

Alkoholopfer – 0.0 Promille

Eindrücke vom Tag vor der Abfahrt

Die Wale zeigen sich nur kurz. Trotzdem imposant.

Die Wale zeigen sich nur kurz. Trotzdem imposant.

Schönste Farbeindrücke

Schönste Farbeindrücke

Viele neue Freunde. Bilder müssen erst sortiert werden!

Viele neue Freunde gewonnen. Bilder müssen erst sortiert werden!

In aller Frühe geht es morgen los. Jenny fliegt nach Frankfurt zurück und wir fahren mit der Fähre nach Kagoshima. Dann Stippvisite am Vulkan Aso, nach Nagasaki, per Nachtbus nach Osaka. Wieder bei Hide-san vorbei. Dann fix nach Tokio zum Vortrag, dann per Nachtbus nach Shikoku zu Familie Sawada und von dort dann nach Sakaiminato. Die Transsib für den Rückweg wartet.

Auf Schatzsuche in Yomitan

Auch in Okinawa kann man auf Geoschatzsuche gehen. Insgesamt gibt es über 1200 eingetragene geocaches in der gesamten Präfektur. Selbst auf kleineren Insel haben Enthusiasten welche versteckt. Neulich waren wir zum Beispiel in Yomitan, dem größten Dorf Japans, auf Schnitzeljagd und erlebten einige Überraschungen. Einer der Schätze führte uns in das Töpferviertel Yachimun und das Versteck war eine wunderschöne Keramik im Ryukyu-Stil.

Geoschatz

Geoschatz – Spoilergefahr

Subotnik

Heute spielen wir Timur und sein Trupp, das heisst Betty und ihr Team. Betty wohnt seit den 50ern in Okinawa, direkt am Strand. Dieser wird nun immer wieder von Plastemüllstürmen vom asiatischen Festland heimgesucht. Den Strand von dem Industriemist zu säubern, ist eine Sisyphus-Angelegenheit. Die großen Teile, ein halber Kühlschrank ist dabei, sehen schrottig aus und die Abermillionen kleiner Teile sind kaum aus dem Sand zu entfernen. Ein Walfisch kann daran schonmal verenden, wenn so ein kleines Teil den Magen versperrt. Das hat man festgestellt, als man einen gestrandeten und später gestorbenen Wal sizierte.

Wir sammeln nur einen Bruchteil des sichtbaren Mülls in einem vielleicht 20 m breiten Strandteil ab – es sind 4 Lasterladungen. Wahrlich furchtbar.

Subotnik

Subotnik

Mülllaster

Mülllaster

Richtig oder Falsch?!

Links oder Rechts, welche Fahrweise ist die praktischere, die logischere? Nun, für jemanden, der/ die Rechtsverkehr gewöhnt ist, ist es der Rechtsverkehr – statistisch gibt es laut Wiki keine Unterschiede.
Auf Okinawa und den japanischen Hauptinseln fährt man auf alle Fälle links. Unfalllos und mit Bravour hat uns Jana in die nördlichen Gefilde der Insel gefahren, auch wenn wir ab und an zu spät bemerkten, dass der Blinker links ist und nicht rechts! Gewöhnungsbedürftig sind auch die Geschwindigkeiten mit denen man sich über die Inseln bewegt, 40km/h max. 50 km/h durch die Städte, über Land darf man auch mal mit 70 km/h fahren. Okinawas einzige Autobahn erlaubt auch 80 km/h gegen Entgelt – nicht nur für Ausländer.

Dafür wird man mit atemberaubenden Landschaften belohnt.
Die Okinawa Inseln werden nicht nur als das Hawaii Japans bezeichnet, sondern auch als Galapagos Japans. Viele Tier- und Pflanzenarten existieren nur in Yanbaru, dem letzten großen subtropischen Regenwald Asiens. Hier lebt zum Beispiel die Kuina, eine erst kürzlich entdeckte Ralle mit dem klangvollen Namen Gallirallus Okinawae. Die Kuina ist allerdings vom Aussterben bedroht: Der indische Mungo wurde seiner Zeit auf Okinawa angesiedelt, um u.a. einheimische Giftschlangen -Habu- zu vertilgen. Die schmeckten wohl überhaupt nicht, stattdessen kam die flugunfähige Kuina auf die Speisekarte.

Mangrovenwald

Mangrovenwald

Do-Re-Mi oder Ja-Le-Mi?

Heute haben wir Unterricht im Sanshin Spiel. Jenny meistert abgesehen vom japanisch sprechenden Lehrer auch noch die Herausforderung, dass wir kein westliches Notenbild haben, sondern eines mit in Quadraten geschriebenen Schriftzeichen. Die stehen für das Solmisationsschema Do-Re-Mi. Nie gehört? Ist doch schon seit dem Mittelalter bekannt. Aber im Osten ging man aus pädagogischen Gründen auch per Ja-Le-Mi vor, jedenfalls könnte man auf diese Idee laut dem Wikipedia-Artikel kommen.

Was wollen wir eigentlich berichten? Na, dass wir heute das schoene Lied „Asadoya Yunta“ gelernt haben, zumindest, in groben Zügen.

Sanshin-Unterricht

Sanshin-Unterricht

Für Eddie

Gestern haben wir einen lieben Freund verloren. Was uns bleibt sind schöne Erinnerungen aus der Zeit in Moskau. Wir denken gern zurück an Wanderungen durch die hohe Tatra, an eine Reise durch Schottland, Erlebnisse in London, Barcelona, Kairo, Berlin und Frankfurt. Mit Eddie konnte man lachen und sich gut unterhalten (manchmal auch streiten). Eddie und 1/3 von uns hat eine enge Freundschaft verbunden, wir sind durch dick und dünn gegangen.

Wir werden Dich vermissen!
August, Jana und Jenny

Eddie

Eddie

Trauerfall mit sieben Küssen

Da ist sie hin. Nach 8 Jahren zuverlässiger Arbeit hat unsere Kamera still und leise ihren Geist aufgegeben. Man möchte sagen, viel zu früh, um dann O.F. Weidling aus dem Off fragen zu hören: ja, wann wäre es Ihnen denn Recht gewesen? Kluger Komiker. Zwischendrin hatten wir die Kamera immerhin aussortiert, aber die für unsere USA-Fahrt frisch gekaufte sollte ja Barcelonaer Kriminelle sponsern. Andererseits geben wir die Hoffnung noch nicht ganz auf, auch wenn verschiedene Tests nicht funktionierten – vielleicht bringt die Durchsicht in einer Service-Station noch etwas. Aber hier auf Okinawa gibt es keine und einschicken dauert mindestens drei Wochen. Zu lang, denn in genau 3 Wochen sind wir bereits auf dem Weg von Okinawa nach Kyushu. Also blieb uns nichts anderes, als eine neue zu kaufen.

In Japan sind die Nachfolgermodelle unserer Kamera nicht schnöde Nummern, sondern Küsse. Wir nehmen die mit sieben Küssen und nem i. Das gute Stück fungiert übrigens immernoch als „Einsteigermodell“. Da möchte man glatt beleidigt sein bei mehr als 27 Jahren intensiver Hobbypflege. Aber ganz ehrlich, der Techniksprung nach 8 Jahren ist auch so gewaltig und wer will eigentlich diese unhandlichen Klopper mit auf Reisen nehmen? So bleiben wir weiterhin mehrere hundert bis tausend Euro entfernt von „Professionellen“, „Semiprofessionellen“ und „Modellen für ambitionierte Fotographen“. Außerdem geraten wir an einen außerordentlich cleveren Geschäftsmenschen. Obwohl nur Kits – also Kamerakörper plus zwei Objektive – im Angebot waren, hatte er den klasse Einfall, die uns nicht interssierenden Objektive „zurückzukaufen“, um uns dann für den nackten Körper einen Preis anbieten zu können, der nochmal deutlich unter allen im Internet auffindbaren Preisen lag. Billiger als in Deutschland sind wir ohnehin weggekommen. Glück im Unglück. Man kann es aber auch Symbiose nennen, immerhin schmieren wir die Okinawaische Wirtschaft mit ner ganzen Menge Kohle.

_MG_7094

_MG_7094: Das letzte Foto nach 8 Jahren zuverlässiger Arbeit. Insgesamt haben wir damit 27.094 mal geknipst. Quantität, äh, Qualität statt Quantität!